Werkhof Ost Bericht für 2021

Teilnehmerzuweisungen AVGS 2020: insgesamt 7

Teilnehmerzuweisungen BIWAQ 2020: 10

Teilnehmer in der Nachbetreuung:  ca. 20 Personen

Teilnehmer in Sozialstunden: 3

Teilnehmer in Praktika: 1

Auf der Grundlage der Zertifizierung und der Zuteilung von Aktivierungsgutscheinen des Jobcenters konnte der Sozialbetrieb Werkhof Ost die AVGS-Maßnahme nach § 16 SGB II durchführen.

TeilnehmerInnen und Zielsetzung der Maßnahme

Langzeitarbeitslosen Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen eine Perspektive zu geben ist das Hauptziel der Bemühungen des Werkhofs Ost. Die meisten der TN haben nur geringe Chancen wieder auf dem 1. Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, da sie auf Grund ihrer schweren Vermittlungshemmnisse nur bedingt belastbar sind. Sie werden im Werkhof Ost ehrenamtlich, in Mini- und Midi Jobs beschäftigt. Der Werkhof Ost gibt ihnen so eine Heimat mit einem strukturierten Tagesablauf. In den Arbeitsgruppen haben die TN soziale Kontakte, sie werden sozialpädagogisch betreut und erhalten qualifizierte Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Arbeit ist sinnorientiert, d.h. die TN arbeiten sozialraumorientiert in mehreren Beschäftigungsfeldern (Seniorennetzwerk, organisierte Nachbarschaftshilfe Hardt, Weltgarten, Stadtteilfeste, Instandhaltung der Stadtteilzentren, …)

Die Anschlussbeschäftigung langzeitarbeitsloser Menschen nach Beendigung geförderter Maßnahmen ist der Hauptinhalt der durch Martinusmantel geförderten Maßnahme. Die Menschen werden, laut Jahresbericht Jobcenter Ostalbkreis 2013, den Gruppen F, G, H zugeordnet.

Der Werkhof bietet 2 geförderte Maßnahmen für langzeitarbeitslose Menschen an:

1.         handwerkliche Kurzqualifizierung Dauer 3 Monate

2.         AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine des Jobcenters) Dauer: 6 Monate

3.         Teilnehmer*innen mit Sozialstunden

Die TeilnehmerInnen beider Maßnahmen sind Langzeitarbeitslose mit schweren und schwersten Vermittlungshemmnissen. Die meisten TeilnehmerInnen sind nach 3, bzw. 6 Monaten zwar stabilisiert, aber ohne weitere Unterstützung droht alles Erreichte wie Tagesstruktur, Anbahnung Therapien, etc. wieder verloren zu gehen.

Maßgebliches Zuweisungskriterium der TeilnehmerInnen mit Aktivierungsgutschein und der Teilnehmer im Rahmen von BIWAQ (ESF Projekt, „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier

Insgesamt waren 6 Teilnehmer und eine Teilnehmerin jeweils 6 Monate vom Jobcenter, mit AVGS, zugewiesen.

An der Kurzqualifikation im Rahmen von BIWAQ nahmen 10 Männer jeweils 3 Monate teil.

Schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose in der Nachbetreuung

Darüber hinaus standen im Jahr 2021 wieder zunehmend mehr langzeitarbeitslose Personen (ohne Berufsperspektive im 1. Arbeitsmarkt) in regelmäßigem Kontakt mit dem Werkhof. Meist waren es ehemalige Maßnahmeteilnehmer, Personen aus dem Umfeld der Wohnungslosenhilfe der Caritas St. Elisabeth, Asylbewerber und Personen, die aus der Gemeinwesenarbeit in anderen Zusammenhängen mit dem JuFuN-Verein in Kontakt stehen. Die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Schwäbisch Gmünd wurde weiter ausgebaut. Der Werkhof entmüllt Wohnraum (Messie) und unterstützt die Personen welche von Obdachlosigkeit bedroht sind oder obdachlos sind. Weiterer Kooperationspartner ist hier die Caritas in Schwäbisch Gmünd.

Alle diese Menschen haben im Werkhof Ost einen Sozialisationsraum gefunden, der für eine Stabilisierung ihrer Lebenssituation von ganz großer Bedeutung ist. Im Werkhof finden sie Beschäftigung als ehrenamtliche Mitarbeiter und teilweise auch als Minijobber. Die sozialpädagogische Mitarbeiterin ist für die Bearbeitung ihrer sozialen Problemlagen täglich Ansprechpartnerin.

Alle Menschen, welche Sozialstunden im Werkhof ableisteten, blieben im Anschluss im Ehrenamt am Werkhof angedockt, ein Teilnehmer bekam einen AVGS für den Werkhof.

Generelle Einschätzung der TeilnehmerInnen in Bezug auf berufliche Vermittlungshemmnisse

Alle TeilnehmerInnen beider Maßnahmen hatten durchweg gravierende Vermittlungshemmnisse (Suchtkrankheit, Überschuldung, körperliche und psychische Einschränkungen, familiäre Probleme). Durch intensive sozialpädagogische Beratung und Begleitung konnten die Vermittlungshemmnisse teilweise abgebaut werden (u.a. durch engen Kontakt mit der Drogenberatung der Caritas, dem Haus der Gesundheit, der Schuldnerberatung, Gespräche mit Familienangehörigen, etc.). Durch die Verknüpfung von Sucht- und Schuldenproblematik setzen sich viele keine langfristigen Ziele mehr. Daher ist der Abbau dieser Vermittlungshemmnisse und das Erleben von sinnvoller Arbeit immens wichtig. Teil der Maßnahme ist die Teilnahme an mindestens 1 Praktikum in einem Fremdbetrieb. Auf Grund der Corona Epidemie war es im Jahr 2021 aber leider nicht möglich die Teilnehmer in ein Praktikum zu vermitteln

Bei den TN aus BIWAQ wurde ein Teilnehmer auf Grund von Beschaffungskriminalität in die JVA eingewiesen. Die anderen Teilnehmer fühlen sich im Werkhof sehr wohl und aufgenommen, alle fragen nach einer Verlängerung der Maßnahme, bzw. einem Ehrenamt oder Minijob.

In vielen Einzel- und in Gruppengesprächen konnte die Motivation verbessert werden.

Die regelmäßige Arbeit/ Tagesstruktur und das Gebrauchtwerden verbesserten die Arbeitsfähigkeit und das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten bei fast allen Teilnehmern.

Der Werkhof Ost gestaltet jährlich den Gottesdienst der Aktion Martinusmantel mit. Hierzu werden alle Mitarbeiter gefragt ob sie teilnehmen möchten. Durch die Gestaltung des Gottesdienstes setzen die Menschen sich intensiv mit ihrer Situation auseinander, was eigentlich bei allen TeilnehmerInnen zu einer Reflexion und dadurch zur Verbesserung der Ausgangslage führt.

Beschäftigungsfelder

1. Im Quartier

Die Teilnehmer verschönerten das Quartier mit verschiedensten Maßnahmen im öffentlichen Bereich, sie stellten jahreszeitgemäße Dekorationen aus Holz für den Innen- und Außenbereich her. Die TN bauten für eine Aktion der Stadt mobile Pflanzkübel und Sitzgelegenheiten und beteiligten sich an allen Aktionen er Stadt Schwäbisch Gmünd, welche trotz Corona stattfanden, wie z.B. ein „abgespecktes“ Stadtteilfest, Stadtteilralley, etc.

2. Bewirtschaftung des Stadtteilzentrums Ost und Familien- und Nachbarschaftszentrum Hardt
Die TN waren auch wieder zuständig für die Sauberkeit, Verschönerung und Instandhaltung des Stadtteilzentrums Ost, sowie des Gebäudes des Familien- und Nachbarschaftszentrums Hardt.

3. Handwerkliche Seniorendienste in Verbindung mit dem Seniorennetzwerk Schwäbisch Gmünd
Winterdienst- Gartenarbeiten, Entrümpelungen und kleinere Transporte wurden für ältere Menschen in über 100 Einsätzen erledigt. Der Werkhof Ost ist ein wichtiger Baustein im Seniorennetzwerk von Schwäbisch Gmünd. Zum Einsatz kamen nur langzeitarbeitslose Menschen, die ehrenamtlich oder in Teilzeitanstellung beschäftigt waren. Die verschiedenen Akteure des Seniorennetzwerkes kooperierten miteinander und profitierten voneinander.

4. Handwerkliche Seniorendienste in Verbindung mit der organisierten Nachbarschaftshilfe Hardt

Der Verein JuFuN e.V. betreibt seit dem 01.01.2019 eine Nachbarschaftshilfe im Familien- und Nachbarschaftszentrum Hardt. Die Nachbarschaftshilfe ist gut ausgelastet und kann mit den Mitarbeitern des Werkhofs Ost kompetente Hilfe bei der Gartenpflege und bei Kleinreparaturen anbieten.

5. In Zusammenarbeit mit der Stadt Schwäbisch Gmünd

Umzüge, Entrümpelungen kleinere Reparaturen für mittellose Personen

Im Mai wurde eine große Impfaktion im Stadtteilzentrum organisiert. An drei Tagen wurden Menschen aus dem Obdachlosen- und Hartz-IV-Milieu mit Johnson Impfstoff geimpft, Am 27.11.2021 wird nun ein großer Personenkreis dieser Geimpften zur Booster Impfung ins örtliche Impfzentrum gefahren, da es leider nicht gelang ein Impfteam in das Stadtteilzentrum zu bekommen. Dies bedeutet für den Werkhof Ost einen großen Zeit- und Kraftaufwand.

6. In Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche

Gestaltung eines Gottesdienstes zu St. Martin zusammen mit Dekan Kloker und Vikar Engel.

Ausrichtung eines Impulsgottesdienstes im Rahmen des Adventkalenders von St. Franziskus

Soziale Begleitung

Die Sozialberatung war ausschlaggebend für ein sich stabilisierendes und konstantes Arbeiten der Teilnehmer.
Dank der Mittel durch Martinusmantel konnten wir die sozialpädagogische Betreuung der Teilnehmer sicherstellen.
Es wurden Zielvereinbarungen mit den Teilnehmern getroffen, Kontakte zur Drogenberatung und zu Ärzten hergestellt, Schulden- und Alkoholprobleme bearbeitet, ermutigende, auch ermahnende Gespräche geführt. Die Sozialberatung, so nah am Arbeitsleben angesiedelt und täglich verfügbar, war für die Teilnehmer unglaublich bereichernd und wichtig. Sie wurde von allen positiv beurteilt.

Das Ziel der sozialen Begleitung war und ist, die TN zu stabilisieren und Vermittlungshemmnisse abzubauen. Durch die Stärkung der persönlichen Kompetenzen und des sozialen Verhaltens im Arbeitsalltag konnte den TN die Übernahme von Verantwortung und Selbstständigkeit nahegebracht werden.

Die TN kamen mit ihren verschiedenen Sorgen, Nöten und auch Ängsten in die Beratung und es wurde individuell auf die Problematiken eingegangen (Ratenzahlungen mit Gerichtsvollziehern vereinbart, Visaverlängerungen ermöglicht, unterstützt bei der Wohnungssuche, Gespräche mit Lebenspartner Innen und Angehörigen geführt…). Einige Teilnehmer hatten auch strafrechtlich relevante Probleme anzugehen, die Beratung und Kontakt zu den entsprechenden Behörden erforderten.
Die TN erhielten Unterstützung bei der Arbeitssuche, bei der Erstellung von Lebensläufen und Bewerbungen

Ein weiteres Projekt, finanziert durch die Stadt Schwäbisch Gmünd heißt Treffpunkt Oststadt und unterstützt die Teilnehmer und andere Bewohner der Stadt Schwäbisch Gmünd. Maßgebendes Ziel des Projekts ist die Bildung von Resilienz und Empowerment. Das Projekt ist gut angelaufen und findet regelmäßig Zuspruch von 15-20 TN, die begeistert bei der Sache sind. Es wird gemeinsam gekocht und die unterschiedlichsten Probleme bearbeitet. Wegen der Corona Beschränkungen konnte der Treffpunkt Oststadt erst wieder ab September 21. stattfinden, und wird nun fast von Menschen überrannt, die teilnehmen möchten, leider müssen teilweise Menschen abgewiesen werden, da nur 15 Personen gleichzeitig im Raum sein können. Wir versuchen auszugleichen in dem in 2 Schichten gegessen wird.

Wirkungen der Maßnahme

Durch die Maßnahme wurde den Teilnehmerinnen eine Strukturierung ihres Tagesablaufs und eine Heranführung an zielorientierte und regelmäßige Arbeit geboten. Die Teilhabe an Arbeit ermöglichte eine tragfähige Teilnahme am sozialen Leben.

Für die TeilnehmerInnen bedeutete die Maßnahme eine wichtige Stabilisierung durch regelmäßige Arbeit, Gespräche, konkrete Hilfe bei Handicaps. Arbeit war und ist für die TN sehr wichtig, bedarf aber einer gut strukturierten, geschützten und unterstützenden Umgebung für unsere TN.

Alle Teilnehmer der Maßnahmen bedürfen auch nach der Beendigung noch weiterer Unterstützung, da innerhalb der Projektlaufzeit nicht ein schon jahrelang währender Prozess der Ausgrenzung und der Selbstzerstörung durch Drogen, Alkohol, Spielsucht und geringe Selbstachtung völlig aufgehoben werden kann. Alle Teilnehmer suchen auch nach Beendigung der Maßnahme noch den Schutz und Rahmen im Werkhof Ost und in der Sozialberatung vor Ort. Der Werkhof Ost bemüht sich diese Menschen mit Botengängen, kleinen Malerarbeiten, Holzarbeiten, Schönheitsreparaturen, Entrümpelungen, etc. an der Betriebsstätte Werkhof Ost weiterhin zu beschäftigen und in die Gemeinschaft einzubinden. Dank der Förderung durch die Aktion Martinusmantel gelingt dies dem Werkhof Ost.

Schwierigkeiten und Hindernisse

Auch 2021 trägt Corona dazu bei den Betrieb zu erschweren, wie die Impfaktion und auch die Schwierigkeiten beim Treffpunkt Oststadt zeigen.

Die Menschen sind verunsichert und vereinsamen. Auch kommen immer mehr Menschen zur Ableistung von Sozialstunden, da sie Kontaktverbote/ Mindestabstände nicht eingehalten haben.

Der Werkhof Ost bietet den Menschen die hier arbeiten die Möglichkeit wenigstens bei der Arbeit soziale Kontakte zu erleben und sich aufgenommen zu fühlen.

Im ganzen Jahr 2021 war es nicht möglich externe Praktikumsbetriebe zu finden, da die Unternehmen, bedingt durch Corona, nicht bereit sind/waren entsprechende Stellen zur Verfügung zu stellen.

Zugehörigkeit und Anerkennung als Motivationsfaktor

Wesentlich war auch die Teilhabe am Arbeitsleben an sich. „Ich arbeite im Werkhof“ ist für die Teilnehmer Ausdruck, gesellschaftlich wieder dazu zu gehören. Durch den Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten, aber auch durch das Gefühl des Gebrauchtwerdens, konnte ein positives Lebensgefühl bei den Teilnehmenden entstehen. Die meisten TN bezeichnen den Werkhof Ost als ihre Familie, und oder Heimat, dies ist für den Werkhof Ost eines der schönsten Komplimente.

Die Wertschätzung der geleisteten Arbeit ist eine bedeutende Ressource zur Mobilisierung der Eigenkräfte der Menschen.